Nischenarchitektur - Nymphäen

Nymphäum in der »Domus die Amore e Psiche in Ostia« und 3d Mesh-Adaption, gerendert mit »minnaert shader ( links).

Im Gegensatz zur zweckbezogenen Einzelnische ist die Nischenarchitektur nicht zu trennen von der sie tragenden Wand. Systeme der Nischenbildung werden durch die Art der Wand bestimmt. Die Nischengliederung hat aber ihrerseits Einfluss auf den Gesamtraum. Um beides deutlich werden zu lassen, ist es angebracht, die Nischengliederung jeweils an Raumformen mit einheitlichem Wandträger zu betrachten. Der Apsisraum, eine Kombination von gekurvtem und geradem Wandträger, wird der gewählten Raumgruppierung, wie es scheint, gewaltsam einverleibt. Der anfänglich nur als Apsis verwendete, nischengegliederte gekurvte Wandträger begegnet aber bald als selbständige Raumform, nämlich Rundexedren.

Gruppe 1: Apsiden bzw. Rundexedren

Der Quell oder einfach der Wasseraustritt, der ein Nymphäum als solches ausweist, wird von Seiten der Architektur gewöhnlich gebührend herausgestellt: durch zentrierte Lage und eine markierdende Nischeneinfassung. Beides ist dazu angetan, die ursprünglich religiöse Bedeutung des Wassers als Lebenspender im Bewusstsein zu halten. Meist handet es sich um Einzelnischen in der Blickachse einer Anlage. (...)
 
Gruppe 2: Rechteckräume
Der Rechteckraum mit gerader Rückwand – meist nach vorn offen und mit Tonnengewölbe – ist unter den Nymphäennicht weniger beliebt gewesen als die gegliederte Rundexedra bzw. der frühe Apsisraum, kam allerdings nach dem 2. Jh. der Kaiserzeit aus der Mode. (...)
 
Gruppe 3: Schauwände
Der von N. Neuerburg als »ninfeo a facciata« bezeichnete Typus ist dadurch charakterisiert, dass er sich nur in einer Front geradlinig erstreckt. Nich dagegen dadurch, dass er unbedingt als Fassade eines Bauwerks genutzt wird. Meist nimmt er eine Seite eines Innenraumes ein, so dass verwandte Beziehung zum Rechteckraum mit nur einer gegliederten Wand bestehen, oder er schliesst ähnlich wie die Halbrundexedra z.B einen Peristyhof ab. (...)
 
Gruppe 4: Rund- und Zentralräume
Der Rundraum kommt unter den Nymphäen relativ selten vor. Nach dem statistischen Verhältnis zu anderen Raumformen kann er geradezu uncharakteristisch für die Nymphäumsarchitektur bezeichnet werden. Diese Feststellung wird auch durch die Tatsache gestützt, dass der von Nischen gegliederte Rundraum nicht früh im 1. Jahrundert v.Chr. als weithin konstantes Element in die Thermenarchitektur Eingang gefunden hat. (...)
 

Auszüge aus: Studien zur Römischen Nischensarchitektur von Gertraut Hornbostel-Hüttner, 1999 by E. J. Brill, Leiden, The Netherlands.